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04. August

Brandverhütung in der Landwirtschaft: Risiken erkennen, Brände verhindern

Landwirtschaftliche Betriebe vereinen zahlreiche Brandrisiken auf engem Raum: elektrische Anlagen, Maschinen, Heizgeräte, entzündliche Ernteprodukte und Tätigkeiten mit offenem Feuer. Ein Brand gefährdet nicht nur Gebäude und Betriebsmittel, sondern vor allem Menschen, Tiere und die wirtschaftliche Existenz des Betriebs.

Die Auswertung der Brandschäden in landwirtschaftlichen Betrieben in Niederösterreich zeigt, wie wichtig konsequente Vorsorge ist: Von 2019 bis 2024 wurden 4.707 Brände mit einer gesamten Schadenssumme von rund 187,9 Millionen Euro erfasst. Das entspricht durchschnittlich etwa 784 Bränden und 31,3 Millionen Euro Schaden pro Jahr.

Die häufigsten Zündquellen im landwirtschaftlichen Betrieb

Viele Brände entstehen nicht durch ein außergewöhnliches Ereignis, sondern durch alltägliche technische Mängel, fehlende Wartung oder unzureichende Sicherheitsabstände. Besondere Aufmerksamkeit verdienen fünf Bereiche.

Elektrische Energie

Defekte Kabel, beschädigte Leitungen, überlastete Steckdosen und mangelhafte Elektroinstallationen können sich stark erwärmen oder Kurzschlüsse verursachen. Staub, Heu und andere brennbare Materialien begünstigen eine schnelle Brandausbreitung.

Elektrische Anlagen sollten deshalb regelmäßig durch eine Fachkraft geprüft und instandgehalten werden. Provisorische Installationen und dauerhaft verwendete Verlängerungskabel sind zu vermeiden. Beschädigte Kabel oder Steckvorrichtungen müssen sofort ausgetauscht werden.

Blitzschlag

Landwirtschaftliche Gebäude liegen häufig frei und bieten durch ihre Größe und Bauweise eine große Angriffsfläche für Blitzeinschläge. Neben einem direkten Einschlag können auch Überspannungen in elektrischen Anlagen Brände auslösen oder Steuerungen und Maschinen beschädigen.

Ein fachgerecht ausgeführter äußerer und innerer Blitzschutz reduziert dieses Risiko. Die Anlagen müssen regelmäßig überprüft und nach baulichen oder technischen Veränderungen gegebenenfalls angepasst werden.

Mechanische Energie

Lager, Riemen, Wellen und andere bewegliche Maschinenteile können sich bei Verschleiß, mangelnder Schmierung oder Blockaden stark erhitzen. Auch Funken durch Reibung oder Metallkontakt können trockenes Erntegut, Staubablagerungen oder Betriebsstoffe entzünden.

Maschinen sind daher regelmäßig zu reinigen und zu warten. Ungewöhnliche Geräusche, Gerüche oder erhöhte Temperaturen müssen ernst genommen werden. Staub und Pflanzenreste sollten besonders an Motoren, Lagern und Abgasanlagen konsequent entfernt werden.

Feuer- und Heißarbeiten

Schweißen, Trennschneiden, Löten und andere Heißarbeiten erzeugen Funken und glühende Metallteile. Diese können weit fliegen, in Spalten gelangen und dort zunächst unbemerkt einen Schwelbrand verursachen. Auch Kerzen, Laternen und Teelichter stellen in Stallungen, Lagern oder Veranstaltungsbereichen ein erhebliches Risiko dar.

Heißarbeiten dürfen nur nach einer sorgfältigen Beurteilung der Umgebung durchgeführt werden. Brennbare Stoffe sind zu entfernen oder zuverlässig abzudecken. Geeignete Löschmittel müssen bereitstehen. Nach Abschluss der Arbeiten ist der Bereich über einen ausreichend langen Zeitraum auf Glut- und Schwelstellen zu kontrollieren.

Wärmeenergie

Heizgeräte, Öfen, Trocknungsanlagen, Motoren und andere Wärmequellen benötigen ausreichenden Abstand zu brennbaren Materialien. Wärmestau, technische Defekte oder abgelagerter Staub können zu gefährlichen Temperaturen führen.

Heiz- und Trocknungsgeräte sind entsprechend den Herstellervorgaben zu betreiben und regelmäßig zu kontrollieren. Besonders bei Heu, Stroh und Silage ist auf Glutnester sowie auf ungewöhnliche Gerüche oder Erwärmungen zu achten.

Heu richtig überwachen: Selbstentzündung frühzeitig erkennen

Frisch eingelagertes Heu kann sich durch biologische Abbauprozesse erwärmen. Ist das Erntegut zu feucht oder wird die entstehende Wärme im Heustock nicht ausreichend abgeführt, kann die Temperatur weiter ansteigen. Im schlimmsten Fall kommt es zur Selbstentzündung.

Entscheidend ist daher, die Temperatur nicht nur oberflächlich, sondern an der wärmsten Stelle im Inneren des Heustocks zu messen. Die Messungen sollten dokumentiert werden, damit ein ansteigender Temperaturverlauf frühzeitig erkannt wird.

Die Temperaturbereiche im Überblick

Bis 50 °C:
Der Temperaturverlauf gilt als normal. Die vorgesehenen Kontrollmessungen sind dennoch fortzuführen.

Über 50 bis 60 °C:
Es besteht erhöhte Gefahr. Der Heustock muss aufmerksam beobachtet und häufiger kontrolliert werden.

Über 60 bis 70 °C:
Die Temperatur ist mindestens alle fünf Stunden zu messen. Weitere Maßnahmen sollten mit der Feuerwehr beziehungsweise mit fachkundigen Stellen abgestimmt werden.

Über 70 °C:
Es besteht akute Brandgefahr. Sofort die Feuerwehr unter 122 verständigen. Das Heulager nicht eigenmächtig öffnen oder umschichten, da eindringender Sauerstoff eine Entzündung beschleunigen kann. Erforderlichenfalls ist ein Heuwehrgerät einzusetzen, mit dem über Lanzen das heiße Gas-Luft-Gemisch aus der Heulagerung abgesaugt und bei Bedarf gezielt und dosiert Löschwasser eingebracht werden kann.

Der Heumesskalender unterstützt bei der Kontrolle

Der Heumesskalender ist für bis zu drei Schnitte ausgelegt und begleitet die Temperaturkontrolle über zwölf Wochen beziehungsweise bis zum 84. Tag nach der Einlagerung. Vorgesehene Messzeitpunkte sind unter anderem der 1., 2., 4., 6., 8., 10., 12. und 14. Tag. Danach werden die Abstände schrittweise vergrößert.

Ergänzend zum ausdruckbaren Kalender steht ein interaktiver Heumesskalender als Excel-Datei zur Verfügung. Nach Eingabe des Einlagerungsdatums werden die vorgesehenen Messtermine automatisch berechnet. Die gemessenen Temperaturen können direkt eingetragen werden. Das Arbeitsblatt ordnet jeden Wert einem Gefahrenbereich zu und stellt den Temperaturverlauf grafisch dar. Zusätzlich werden Höchstwert, Tiefstwert, Durchschnitt und die Zahl der erfassten Messwerte angezeigt.

Dadurch lässt sich nicht nur der aktuelle Zustand beurteilen. Vor allem ein kontinuierlicher Temperaturanstieg wird schneller sichtbar.

Interaktiven Heumesskalender herunterladen

Organisatorischer Brandschutz schützt den ganzen Betrieb

Technische Einrichtungen allein reichen nicht aus. Ein wirksames Brandschutzkonzept umfasst auch klare organisatorische Maßnahmen:

  • Anlagen, Maschinen und elektrische Einrichtungen regelmäßig warten und kontrollieren
  • Gebäude, Werkstätten und Außenbereiche sauber und frei von unnötigen Brandlasten halten
  • Rauchwarnmelder und geeignete Feuerlöscher bereitstellen
  • Zufahrten, Löschwasserentnahmestellen und Fluchtwege freihalten
  • Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Familienangehörige regelmäßig unterweisen
  • Heißarbeiten nur mit entsprechenden Schutzmaßnahmen durchführen
  • Notrufnummern einprägen und einen betrieblichen Notfallplan zurechtlegen
  • Tierevakuierung und das richtige Verhalten im Brandfall vorab festlegen

Bei einem Brand gilt immer: Menschen warnen, gefährdete Personen retten, die Feuerwehr unter 122 alarmieren und Löschversuche nur ohne Eigengefährdung durchführen.

Vorsorge ist der beste Brandschutz

Die Brandgefahren in der Landwirtschaft lassen sich nicht vollständig ausschließen. Durch regelmäßige Wartung, Ordnung, geschulte Personen und eine konsequente Kontrolle können viele Brände jedoch verhindert oder frühzeitig erkannt werden.

Vorbeugen. Schützen. Leben erhalten. Jede rechtzeitig behobene Schadstelle, jede kontrollierte Maschine und jede dokumentierte Heutemperatur tragen dazu bei, Menschen, Tiere und den landwirtschaftlichen Betrieb zu schützen.

Materialien

Plakat „Brandschutz und Zündquellen“
Plakat „Brandschäden und Ursachen 2019 bis 2024“
Heumesskalender zum Ausdrucken
Heumesskalender_interaktiv

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